18. Oktober 2019

Forever

Nun, was passiert, wenn man eine Serie wie Castle mit etwas Fantasie und Historie kreuzt?

Richtig: Heute geht es um Forever!

Abstract

Ein Mann, Henry Morgan (Fun Fact: nach dem historischen Henry Morgan ist der Rum „Captain Morgan“ benannt), kann nicht sterben, sondern taucht stets im nächstgelegenen Gewässer wieder auf.

Heute arbeitet Henry Morgan als Gerichtsmediziner des NYPD und versucht gleichzeitig das Geheimnis seiner Unsterblichkeit zu finden. Dabei muss er einsehen nicht der einzige zu sein und dass Unsterblichkeit nicht auf jeden Geist einen positiven Effekt hat…

Die Serie erhebt keinen historischen Korrektheitsanspruch, aber wirft den Zuschauer immer wieder in historische Zeiten und vermittelt ein Gefühl wie es zu diesen Zeiten gewesen ist.

Charaktere

Forever ist eine Serie, welche nicht in den generellen 08/15- Einheitsbrei von Krimiserien erfüllt.

Sie dreht sich nicht um den aktuellen Fall, sondern mehr noch um die involvierten Charaktere:

Hauptcharactere

  • Doktor Henry Morgan
    Geboren 1779 in England in besserem Hause, durchlebt er mehrere Höhen und Tiefen in denen seine moralischen Grundprinzipien auf die Probe gestellt werden und ihn schon früh den Beruf eines Arztes wählen lassen.
  • Detective Jo Martinez
    Als Witwe die etwa 1 Jahr vor Serienbeginn ihren Mann verlor, kämpft Sie nach wie vor mit der psychischen Bewältigung dieses Verlustes. Die Chemie zwischen Ihr und Henry ist eindeutig und entwickelt sich langsam. Henry wird ihr zunehmend ein wichtiger Mensch und Vertrauter, auch wenn dies mehrfach auf die Probe gestellt und teils bis zum Äußersten beansprucht wird.
  • Abraham Morgan
    „Abe“ ist der Adoptivsohn von Henry und Abigail, auch wenn er zum Handlungszeitpunkt optisch eher Henrys Vater sein könnte. Er ist eher ein Freigeist und hält Henry auf dem Boden und erdet ihn in Sitationen in denen Henry ansonsten verweilen, evtl. sogar „abstürzen“ oder sein eigentliches Ziel verlieren würde. Henry und Abe leben in einer für beide wichtigen Symbiose und in tiefer Vertrautheit in denen Abe schon eher das Psychologische „Über-Ich“ Henrys darstellt und ihn auch recht deutlich und unangenehm in Frage stellt.

Nebencharaktere

  • Lucas Wahl
    Er ist Henrys Assistent und Schützling. Er lernt viel, sowohl fachlich, als auch Menschlich von Henry, welcher stets ruhig bleibt und das Offensichtliche aus Prinzip in Frage stellt. Lucas lernt vor allem, dass nicht der schnelle Weg, sondern der gesichert, überlegte zum richtigen Ziel führt.
  • Detective Mike Hanson
    Mike ist der eigentliche Partner von Jo Martinez und als solcher eher derjenige, welcher den Fall meist eher mit dem offensichtlichen, einfachen Grund abschließen möchte. Dies will er nicht, weil er Faul ist, sondern weil er meistens keinen Sinn darin sieht offensichtlich passende Indizien weiter zu hinterfragen.
  • Adam
    Adam ist ein weiterer Unsterblicher, welcher geschätzt 2000 Jahre alt ist und an dem man die Folgen eines derart langen Lebens sehen kann: fehlende Empathie und eine sadistischen Grundton seiner Handlung: Das Leben ist für ihn nichts Wert und der Tod anderer nur ein Teil seiner Tagesbeschäftigung.
  • Abigail Morgan
    Henrys frühere Frau die ihm bewiesen hat, dass es durchaus Menschen gibt mit denen er sein Leben teilen kann, zumindest eine gewisse Zeit lang. Ohne Abigail hätte Henry eine ähnliche Entwicklung wie Adam vollziehen können, trotzdem zeigt die Geschichte mit Aigail und ihrem Verschwinden, dass Henry stets ein Problem haben wird, wenn es um Partnerschaften geht und einen weg finden muss damit um zu gehen der nicht in der Flucht liegt.

Stärken

Die Serie nimmt den Zuschauer ernst: Sie überfordert nicht, gibt einem aber stets etwas zum verarbeiten, zum Nachdenken und zum überdenken. Dies beginnt mit den eigentlichen Fällen, wird dann aber immer persönlicher für Henry Morgan, wir erfahren immer mehr über ihn und was ihn antreibt und müssen uns selber fragen: Was würden wir tun, wie könnten wir ein solches Leben ertragen, was würde uns antreiben?

Während dieser Phase werden geichzeitig Psychologische Fragen in Form einer Folge mit einer Domina aufgeworfen, aber auch gezeigt wie dies Henry weiterentwickelt, der zwar stets aus einem langen Leben und vielen Erfahrungen zehren kann, aber trotzdem wieder lernen muss zu leben und aus sich heraus zu kommen…

Im letzten Drittel der Serie geht es dann eher um die zwischenmenschlichen Bande: Was geschah mit der einstigen Frau Henrys, wer ist eigentlich Adam und welche Auswirkungen hat dies auf Henry und seine zukünftigen Entscheidungen.

Schwächen

Die Serie ist recht linear und jede Folge baut auf der vorherigen auf. Es ist nicht unmöglich eine Folge zu überspringen, jedoch gehen einem sehr schnell viele Kleinigkeiten und Details verloren. Diese Serie arbeitet mit sehr feinen Nuancen und man übersieht nur all zu schnell etwas, das später noch einmal wichtig ist, ggf. auch Folgen später erklärt wird oder etwas erklärt/angedeutet hat.

Für mich selber ist das keine Schwäche per se, ganz im Gegenteil, macht das Ansehen der Serie jedoch „anstrengend“ und erst beim zweiten mal des kompletten Durchlaufes kann man wirklich alles zu einem Bild zusammenfügen, alles verorten, wenn es nicht ein drittes Ansehen bedarf.

Weiterhin ist die Serie keine klassische „Action-Komödie“ sondern baut eher auf subtilen Humor, geht mehr in die Tiefe und will mehr als nur oberflächliche Betrachtungen führen, weshalb sie für den Mainstream-Geschmack auch eher am Rand interessant sein dürfte, als den Mainstream wirklich zu treffen…

Publikum

Das Publikum sollte unvoreingenommen an die Serie heran gehen und sich über eines im Klaren sein: Wenn die ersten beiden Folgen nicht gefallen… die Serie wird sich nicht ändern!

Jeder dem die Serie direkt gefällt kann sich Freuen: Es bleibt so großartig!

Man benötigt den Willen eine anspruchsvollere Serie sehen zu wollen die zwar alle „fachlichen“ Dinge die sie aufwirft zu erklären, aber erwartet, dass man auch aktiv „dran bleibt“. Forever kann man nicht nebenher ansehen, sondern sie fängt einen und braucht diese Aufmerksamkeit auch. Wer zudem historisch interessiert ist, der wird Ausflüge (Erinnerungen) in die einzelnen Lebensabschnitte des Henry Morgan zu schätzen wissen.

Fazit

Mir hat diese Serie großartig gefallen und jeder der einmal was anderes sehen will und von einer Serie ernst genommen werden will als Zuschauer der sollte hier einmal rein sehen. Nicht nur reine Unterhaltung, aber ein großartiger Mix aus Krimi, Historie, Drama und Philosophische Grundüberlegung: Was bedeutet Unsterblichkeit eigentlich und was würden wir damit anfangen?

Die Serie wurde nach einer Staffel abgesetzt, leider, hat damit aber den Vorteil niemals abgebaut zu haben, sich nicht „überlebt“ zu haben. Das Ende schließt den Haupt-Handlungsbogen, lässt aber viel Offen über den Fortgang, so das man sich selber ausmalen kann wie es weiter gehen könnte, ohne „im Regen stehen gelassen zu werden“.

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